Was ist der DFG-Viewer?

Der DFG-Viewer ist die Referenzimplementierung für die Digitalisierungsstandards, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in ihren Praxisregeln "Digitalisierung" jedem Projektnehmer als verpflichtend auferlegt. Dies sind insbesondere die Datenformate METS/MODS und METS/TEI sowie die Austauschschnittstelle OAI-PMH. Da es sich dabei jedoch gleichzeitig um international gebräuchliche Standards handelt, kann der DFG-Viewer auch von Projekten eingesetzt werden, die keine Förderung durch die DFG erfahren haben. Einzige Voraussetzung sind die Einhaltung der genannten Standards und die uneingeschränkte Erreichbarkeit der Digitalisate im Internet. Darüber hinaus muss ein Anbieter keine eigene Präsentationssoftware installieren oder betreiben. Das Angebot ist zudem für den Datenanbieter wie auch die Nutzer kostenfrei.

Wie funktionierts?

Die Implementierung des DFG-Viewers ist denkbar einfach: Beim Aufruf des DFG-Viewers wird ein Link auf die technische Kodierung des anzuzeigenden Digitalisats im METS-Format als URL-Parameter übergeben. Der Webdienst ruft die referenzierte METS-Datei daraufhin beim Anbieter ab und entnimmt ihr alle notwendigen Informationen für die Anzeige des Digitalisats und gegebenenfalls weitere Zusatzfunktionen. Da die Links auf die METS-Dateien in der Regel unveränderlich sind, können die resultierenden DFG-Viewer-Aufrufe problemlos auf Webseiten oder in Nachweissystemen wie z.B. Bibliothekskatalogen abgelegt werden, um Nutzern per Klick die Ansicht eines Digitalisats zu ermöglichen.

Grundfunktionen

Dabei bietet der DFG-Viewer abhängig von der verfügbaren Datenqualität der METS-Datei und dem anzuzeigenden Dokumenttyp einen dynamischen Funktionsumfang. Mindestens kann der Nutzer im Digitalisat blättern, einen stufenlosen Zoom verwenden sowie zwischen einer Einzel- und Doppelseitenansicht (wahlweise im Vollbildmodus) umschalten. Außerdem erhält er einen Basissatz an Metadaten, die das Digitalisat beschreiben (i.d.R. Titel, Autor, Erscheinungsort und Erscheinungsdatum), sowie Angaben zum Anbieter des Digitalisats. Sind darüber hinaus weitere Angaben in der METS-Datei vorhanden, werden automatisch die folgenden Funktionen zusätzlich angeboten:

Inhaltsverzeichnis

Verfügt die METS-Datei über sogenannte Strukturdaten, also eine inhaltliche Gliederung des Digitalisats, zeigt der DFG-Viewer diese als Inhaltsverzeichnis an und erlaubt dem Nutzer, darüber im Digitalisat zu navigieren. Ist zudem die Paginierung erfasst, zeigt der DFG-Viewer sowohl im Inhaltsverzeichnis als auch der Seitenauswahl die entsprechenden Seitenzahlen an (bei Handschriften entsprechend der Foliierung auch die Blattzählung).

Weitere Metadaten

Wurden neben den bibliographischen Titeldaten weitere deskriptive Metadaten (etwa Artikelüberschriften und -autoren) erfasst, so werden diese zusätzlich angezeigt, sobald der Nutzer die entsprechenden Strukturelemente öffnet. Die Anzeige erfolgt in einer ausklappbaren Box, so dass dem Nutzer überlassen bleibt, wie viel Platz er den Metadaten einräumen will.

Die Metadaten können medientypabhängig sowohl im MODS- wie auch im TEI-Format kodiert werden. Während ersteres überwiegend für Druckwerke verwendet wird, ist letzteres für mittelalterliche und frühneuzeitliche Handschriften gebräuchlich.

Permalinks und Download

Sofern der Datenanbieter für das Digitalisat Permalinks zur wissenschaftlichen Zitation zur Verfügung stellt und diese in der METS-Datei angegeben sind, zeigt auch der DFG-Viewer diese Referenzen an und erlaubt dem Nutzer somit die werks- und seitengenaue Adressierung des Digitalisats auch im wissenschaftlichen Kontext.

Wahlweise kann der Datenanbieter auch einen PDF-Download des Digitalisats (als ganzes Werk oder Einzelseiten) erlauben. Der DFG-Viewer zeigt in diesem Fall entsprechende Buttons an, über die der Download ausgelöst werden kann.

Kalenderansicht

Insbesondere Zeitungen, aber auch andere Periodika mit langem Erscheinungsverlauf werden klassischerweise chronologisch erschlossen und über eine Kalenderansicht präsentiert. Der DFG-Viewer erkennt solche Digitalisate anhand ihrer auf drei separate METS-Dateien verteilten chronologischen Struktur automatisch und bietet eine dreistufige Navigation über die Auswahl eines Jahrgangs, gefolgt von einer Übersicht des Erscheinungsverlauf innerhalb dieses Jahrgangs bis hin zur Anzeige einer konkreten Ausgabe. Natürlich ist auch die umgekehrte Navigation von der Ausgabe zum Jahrgang bzw. zur Übersicht des Gesamttitels jederzeit möglich. Innerhalb einer Ausgabe stehen dem Nutzer wiederum alle übrigen Funktionen des DFG-Viewers wie gewohnt zur Verfügung, inklusive einer möglichen weiteren inhaltlichen Untergliederung der Ausgabe anhand eines Inhaltsverzeichnisses.

Volltexte

Liegen für das Digitalisat Volltexte im ALTO-Format mit Wortkoordinaten vor, so können diese auch vom DFG-Viewer zur Anzeige gebracht werden. Dabei ermittelt der DFG-Viewer anhand der Wortkoordinaten und abhängig von der vom Nutzer gewählten Zoomstufe die exakte Position der Worte auf dem Scan. Wählt der Nutzer nun einen Bildausschnitt aus, wird der dort befindliche Text in einer separaten Ansicht eingeblendet und kann beispielsweise als Zitat einfach kopiert werden. Aber auch schwer erkennbare Textstellen oder etwa ungewohnte Frakturschriften können auf diese Weise flüssig gelesen werden.

Verfügt der Datenanbieter darüber hinaus über einen Volltext-Index mit öffentlicher SRU-Schnittstelle, bietet der DFG-Viewer dem Nutzer sogar einen Suchschlitz zur Volltextrecherche an. Darüber kann der Nutzer wahlweise innerhalb des aktuellen Digitalisats oder sogar in größeren Beständen des Anbieters recherchieren. Die Ergebnisse werden wiederum direkt im DFG-Viewer angezeigt, so dass der Nutzer dazu nicht zwischen mehreren Systemen und Anbietern wechseln muss.

Nachhaltigkeit

Die Entwicklung des DFG-Viewers wurde und wird von der DFG gefördert, während die SLUB Dresden in Eigenleistung den dauerhaften Betrieb in einem leistungsfähigen Server-Cluster gewährleistet. Auch der Quellcode des DFG-Viewers ist frei und kann unter der Open Source-Lizenz GPL3 auf GitHub bezogen und kostenfrei nachgenutzt werden. Über die Plattform können auch eigene Weiterentwicklungen in das Projekt eingebracht werden.